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Hinter den Kulissen von drehsinn: ein WDR-Interview zum Anhören

Das Atelier war zu Gast im Radio, in der Sendung „WDR3 – Mosaik“. Im Interview geben Karin und Bernd Schmidt spannende Einblicke in 30 Jahre Handwerk, die Magie jedes einzelnen Holzstücks und die Geschichte hinter dem Atelier-Namen „drehsinn“.

Inmitten der Eifel, fernab vom Trubel, entstehen bei uns Unikate aus Ton und Holz. Ob edles Holz oder feiner Ton – hören Sie, was unsere Kunden so begeistert und wie Handwerk in der Idylle der Eifel klingt. Ein Gespräch, das nicht nur informiert, sondern zum Zuhören und Träumen einlädt.

Jetzt das Interview beim WDR anhören.

Für alle, die das Gespräch lieber in Ruhe lesen möchten oder bestimmte Passagen nachschlagen wollen, haben wir das Transkript des Interviews für Sie zusammengestellt:


Silke Oettershagen:
Karin und Bernd Schmidt haben es kuschelig.
Sie leben auf dem Land in der Eifel im kleinen Ort Huppenbroich.
Berufsverkehr kennen sie nicht.
Ihr Haus ist ganz nach ihren Bedürfnissen gebaut.
Hier leben sie zusammen, haben Verkaufsräume für ihre Kunstwerke und im hinteren Teil liegen ihre Werkstätten.
Karin Schmidt ist Keramikerin, Bernd Schmidt Holzdrechsler.
Wenn Töpferscheibe und Drechselmaschine angeworfen werden, wird es laut in der Idylle.
Ton und Holz beginnen zu kreisen.
Deshalb haben sie ihren gemeinsamen Kunsthandwerksbetrieb „Drehsinn“ genannt.

Bernd Schmidt:
Das ist ja eigentlich ein technischer Begriff.
Also wie rum dreht sich ein Motor, ob rechts oder links rum.
Und dadurch ist das so ein zusammenfassender Begriff, der uns beide vereint.
Das war einfach mal eine nächtliche Eingebung, den Namen.
Und dabei ist es jetzt schon lange Zeit geblieben.

Silke Oettershagen:
Mehr als 30 Jahre lang arbeiten die beiden Kunsthandwerker schon zusammen.
Der Duft von Ton und Holz liegt in der Luft des Eifelhauses.
Heute überwiegt der Holzgeruch.
Bernd Schmidt arbeitet an seiner Drehbank.

Bernd Schmidt:
Ich habe jetzt hier ein Stück Holz – ein Sonderholz, was Sie nie bekommen würden. Und zwar Ilex, aus dem Garten.
Und jetzt können wir erstmal mit dem ersten Schritt anfangen, nämlich ich muss es jetzt rund kriegen.

Silke Oettershagen:
Alles, was aus Holz ist, kann Bernd Schmidt hier herstellen.
Oft schaut der 75-Jährige ein Stück Holz an und überlegt, was es werden könnte.
Ein Kerzenständer, Griffe für Möbel, Spiele, Zauberstäbe, Schüsseln und sogar Urnen.
Die Menschen kommen von weit her, um eines der Unikate zu kaufen.
Oder auch aus der Nachbarschaft.
Wie Veronika Köhling-Alles, die als Blickfang schon einige Arbeiten aus dem Atelier gekauft hat.

Veronika Köhling-Alles:
Das ist immer ganz toll.
Wenn Herr Schmidt dann ganz genau erzählen kann, aus welchem Holz das gemacht ist, wie alt das ist, woher das kommt.
Ich mag sowas und aus schönem Holz.
Das ist schon toll.

Silke Oettershagen:
Die Kundin erzählt das mit dem gleichen Glanz im Auge wie der Künstler selbst.
Nur einmal war sie erstaunt – sie wollte eine Lampe genauso haben wie die aus dem Ausstellungsraum.

Veronika Köhling-Alles:
Ich habe gefragt, ob er mir nochmal so eine macht.
Und er hat gesagt, das geht gar nicht.
Das ist jedes Mal ein anderes Holz.
Das ist ein Unikat.
Es ist einfach anders.
Es ist Handwerk und das gibt es nicht ein zweites Mal.

Silke Oettershagen:
Auch Bernd Schmidt liebt diese Einzigartigkeit in seinem Beruf.
Er arbeitet weiter, tiefenentspannt an seiner Drehbank.
Dabei muss es ähnlich wie bei seiner Frau an der Töpferscheibe manchmal schnell gehen, wenn er einmal dran ist.
Und er muss ständig Entscheidungen Treffen.
Schon beim ersten Schnitt ins edle Holz, etwa einer Ulme.

Bernd Schmidt:
Da ist man ganz, ganz vorsichtig.
Denn der erste Schnitt – mit der Kettensäge dann – entscheidet natürlich nachher, was kann ich daraus machen.
Ich muss eine Ahnung haben, ich muss schon in das Holz hineinsehen, in Anführungszeichen.
Man tanzt fast erst mal um dieses Stück Holz drumherum.
Und irgendwann muss man sagen, jetzt muss es sein.

Silke Oettershagen:
Und wenn er dann einmal dran ist, fliegen die Holzspäne.
Ein kleines Spektakel auch für Besucher.
Seine Frau Karin kennt dieses Feuerwerk mit fliegenden Holzstückchen, die überall landen.
Sie arbeitet mit Ton, er mit Holz.
Manchmal ergänzen Sie sich bei Werken, die aus Holz und Ton bestehen.
Im Umgang mit dem Material gibt es aber doch Unterschiede.

Karin Schmidt:
Es ist schon Anders.
Er hat eben erzählt, er kann nicht „dran drehen“.
Der Töpfer kann das.
Der kann ja montieren und kann was ganz anderes machen.
Und das kann der Drechsler eigentlich nicht.

Silke Oettershagen:
Bei den Europäischen Tagen des Kunsthandwerks laden die Keramikerinnen und der Holzdrechsler Besucher und Besucherinnen zu sich ein in ihr Haus im Dorf Huppenbroich.
Mit Atelier, Werkstatt, Privat- und Ausstellungsräumen. Und sie wissen, es werden viele auch von weit her kommen.

Karin Schmidt:
Wir haben einen großen Kundenkreis.
Die kommen aus Düsseldorf, die kommen aus Köln, die kommen aus den südlichen Regionen. Es kommen Leute hierher.
Huppenbroich ist ja eigentlich ein kleines Kaff. Hier ist auch nix, hier ist tote Hose. Und das ist sehr schön!
Das ist ein sehr angenehmes Arbeiten.

Silke Oettershagen:
Die beiden freuen sich auf Besuch und auf Gespräche, die sich genauso lebendig drehen wie ihre Maschinen.